+49 7159 4068880 dialog@mhbr.de

Charaktervolles Bad | Minimalistisch & maskulin

Mitten in der Stadt, mitten im Geschehen einer Großstadt liegt an einer großen Straße mit vier Autospuren und Straßenbahnbetrieb ein 1910 erbautes Mehrfamilienhaus in Blockbebauung. Vor mehreren Jahren wurde das Haus in Eigentumswohnungen aufgeteilt, deren heutige Besitzer die Wohnungen selbst bewohnen. Von außen vermutet kein Passant, dass in diesem Haus einige Luxuswohnungen entstanden. Dies ist von den Besitzern durchaus gewollt, das Äußere des Hauses wirkt deshalb eher zurückhaltend und bescheiden. Im vierten Stock wohnt in einer der edelsanierten Wohnungen der selbständige Bauherr, der sich durch die Sanierung des Bades einen langgehegten Wunsch erfüllte. Um eine respektable Größe des Bades zu erreichen, wurden zwei Räume zu einem großen Bad mit ca. 23 Quadratmetern Grundfläche zusammengelegt.

Eine bereits vorhandene finnische Blockhaussauna blieb erhalten, ansonsten wurde das bestehende Bad komplett entfernt, alte Vorstehende und alle Trockenbauverkleidungen abgerissen und durch neue ersetzt. Die Decken des teilweise nur 2,20 Meter hohen Raumes wurden neu abgehängt und den neuen Bedürfnissen und Gegebenheiten angepasst. Der alte Echtholzdielenboden musste teilweise entfernt bzw. erneuert werden, da der Bauherr im neuen Bad eine Fußbodenheizung wünschte. Der alte Estrich musste deshalb entfernt und neu verlegt werden. Außerdem mussten Teile der Deckenkonstruktion geöffnet werden, um die Versorgungsleitungen neu zu verlegen. So erforderte der Traum vom luxuriösen Bad eine doch recht üppige Baustelle, deren Herausforderungen nicht nur den Bauherren vor eine Geduldsprobe stellten. Von den einzelnen Gewerkhandwerkern wurde neben der fachgerechten Ausführung der Sanierung körperliche Schwerstarbeit verlangt: Alle benötigten Materialien mussten in den vierten Stock gebracht werden – und dies alles ohne Aufzug. Aber am Ende entstand ein minimalistisches, maskulin geprägtes Badezimmer, das in puncto Materialien und Ausstattung alle Wünsche des Bauherren erfüllt.

Insbesondere beim Material wünschte der Bauherr große Sorgfalt, alles musste bis aufs Genaueste aufeinander abgestimmt werden, vor allem die Haptik musste passen. So wurde eine komplette Bemusterung aller Ausstattungsdetails vorgenommen. Die Armaturen sollten mattiert sein und auch die anderen Einrichtungselemente ohne Glanz daherkommen, auf einen Spiegel wurde bis auf einen kleinen Standspiegel verzichtet. So entstand ein harmonisch abgestimmtes, haptisch warmes und offenes, helles Bad.

In den Raum führen zwei übereck installierte satinierten Glas-Schiebetüren, die über eine dezent wirkende Edelstahlkonstruktion zu öffnen sind. Wer das Bad betritt, bemerkt sicherlich als erstes die imposante Wanne aus Mineralguss. Der italienische Wannenhersteller nennt die Wanne sinnigerweise (ins Deutsche übersetzt) „Knüller“. Filigrane Wannenarmaturen, die sowohl frei stehend neben der Wanne als auch auf der Wanne installiert wurden, runden das Bild der Wannenkomposition ab. Direkt neben der Badewanne folgt der Duschplatz mit maßgefertigter Duschtasse, die auf Grund der benötigten Bauhöhe nicht ganz bodeneben installiert werden konnte. Ähnlich aufwendig wie der Öffnungsmechanismus der Eingangselemente ist auch die Schiebetür der Duschabtrennung. Eine markante quadratische Kopfbrause sowie eine Schlauchbrause und eine fast unsichtbare Wasserablaufrinne bilden die weiteren Ausstattungsdetails. Ein besonderer Eyecatcher ist das Lamellenfenster in der Dusche, die einzelnen Glaslamellen lassen sich öffnen, was für eine gute Belüftung der Dusche sorgt und einen gewissen Sichtschutz mit sich bringt.

Extravagant und auffällig in Szene gesetzt ist der maßgefertigte Waschtisch aus weiß gewachster Vollholzeiche. Dank der unterschiedlich hohen Schubfächer lassen sich unterschiedliche Utensilien optimal unterbringen. Der Waschtisch bildet die Unterkonstruktion für das ebenfalls sonderangefertigte, schräg nach hinten ablaufende Natursteinwaschbecken aus Bateig, einem Naturkalkstein aus Spanien. Eine maskuline Zweilochwaschtischarmatur sowie der seitlich von dem WC aus zu erreichende Papierhalter und integrierte Stromanschlüsse runden die Ausstattung des Waschtisches ab. Direkt daneben wurde noch ein Stauraumwunder in Form eines Drehkastenschranks eingebaut. Dieser Schrank wurde aus dem gleichen Material wie der Waschtischunterschrank maßgefertigt.

Auf den besonderen Wunsch des Bauherren ließ sich der Tischler hier eine raffinierte Konstruktion einfallen: Über eine Edelstahlstange lassen sich die Fächer herausdrehen, sodass man sehr bequem auf den gesamten Inhalt des Schubfachs zugreifen kann. Gegenüber der Waschtischanlage steht die vom Bauherren intensiv genutzte bereits bauseits vorhandene Saunakabine.

Text: Jürgen Brandenburger |
Fotos: Christian Lünig |

Glasmosaik: Bisazza, www.bisazza.com
Armaturen, Handtuchwärmer, Accessoires, VOLA, www.vola.de
Elektro-Schalterserie: Berker, www.berker.de
Waschtisch, Spiegel: Maßfertigung

Planung
Nicole Homann-Zehl,, Stephan Zehl, Dipl. Ing. Univ.
Architekten BDB, Stadtplaner, www.homannzehl-arch.de