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Hartmut Esslinger | Designer und Stratege

Es klingt auch heute noch beinahe märchenhaft. Geboren und aufgewachsen in Beuren – heute Simmersfeld – bei Altensteig im Schwarzwald, gründete der 25 Jahre alte Student Hartmut Esslinger 1969 sein eigenes Designbüro. Unter dem Markennamen frog design entwickelte es sich in den folgenden zwei Jahrzehnten zu einer weltweit führenden „design firm“ – ein Begriff, den man schlecht ins Deutsche übersetzen kann, da er sich bis heute unserer normativen Vorstellungskraft entzieht.

Als Firmen gelten hierzulande meist Unternehmen, die etwas physisch Erfahrbares herstellen – also Produkte. Designer werden hingegen eher als dienstleistende Künstler gesehen. Die durchschnittliche Unternehmensgröße eines Industrial-Design-Büros betrug im Jahr 1997 7,5 Mitarbeiter. Das ist im allgemeinen Verständnis keine Firma!

Wie sich die durchschnittliche Unternehmensgröße bis heute verändert hat, ist nicht erforscht. Allerdings wissen wir – seit das Bundesministerium für Wirtschaft 2007 ein Referat Kultur- und Kreativwirtschaft ins Leben gerufen -hat –, dass die darin verortete Teilbranche Designwirtschaft im Jahr 2010 für ein Umsatzvolumen von schätzungsweise 18,2 Mrd. Euro in Deutschland verantwortlich zeichnete, die Situation der selbstständigen Designer gleichzeitig aber als prekär zu beschreiben ist.

Vermutungen des ständisch orientierten Berufsverbands VDID (Verband Deutscher Industrie Designer e. V.) und des BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft) gehen davon aus, dass ca. 79 Prozent dieses Umsatzvolumens von Kleinunternehmen erwirtschaftet wurden, das heißt von ausgebildeten Designern und Selbstständigen, deren Jahreseinkommen unter der umsatzsteuerrelevanten Jahreseinkommensgröße von 17 5000 Euro liegt.

Ganz anders positioniert sich frog design! In der Kurzbiographie, die Hartmut Esslingers Buch „A fine line“ (Jossey-Bass, San Francisco, 2009) vorangestellt ist, wird frog design nicht nur als „design firm“ bezeichnet, sondern als eine „worldwide leading strategic design firm“. Strategisches Design? Wir passt Strategie zu einem Designer, der von der erfolgreichen deutschen Industrie immer noch die Rolle als dienstleistender Künstler zugewiesen bekommt? Strategie, ein Begriff bellizistischen Ursprungs, der heute im Wesentlichen in der wirtschaftlichen Ausrichtung von Unternehmen und ihrer Politik Verwendung findet…

Oben | Wega concept 51 k aus dem Jahre 1976
Mitte | Wega Line-Up, 1969 bis 1974
Unten | NeXtCube Workstation,1986

 

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